WARME HERZEN ALLEIN REICHEN BEI KLIRRENDER KÄLTE NICHT AUS!

Jeder Tod eines Obdachlosen ist einer zu viel. Hannover hat seit Beginn des Jahres sogar bereits zwei Kältetote zu beklagen. Ein Grund dafür ist die fehlende Akzeptanz für die städtischen Obdachlosenunterkünfte. Furcht vor Belästigungen, Gewalt und Diebstählen halten viele Betroffene davon ab, die kommunalen Einrichtungen aufzusuchen. Stattdessen übernachten sie selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und arktischer Kälte im Freien und setzen sich damit ganz anderen Gefahren aus.


Ratsmehrheit lehnte Akzeptanzkonzept ab

„Es kann doch nicht angehen, dass die Kapazitäten vorhanden sind, aber die Betroffenen sie aus Angst vor den dortigen Zuständen nicht nutzen“, führt der sozialpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion Hannes Hellmann aus. Hinsichtlich dieses menschenunwürdigen Umstands könnte bei vielen Betroffenen Abhilfe geschaffen werden, indem unter anderem die Sicherheitsvorkehrungen in den Unterkünften durch mehr Sicherheits- und Aufsichtspersonal sowie abschließbare Schränke deutlich verbessert werden. Diese Sicht sei im letzten Sozialausschuss einmal mehr durch die sehr eindringliche Schilderung einer Obdachlosen bekräftigt worden.

„Unsere Forderungen haben wir in ähnlicher Weise schon vor rund einem Jahr in Form eines Antrags an die Stadtverwaltung gestellt“, sagte Hellmann. Verbunden sei dies mit der Forderung, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten und den Fachausschüssen zur Entscheidung vorzulegen. Der Antrag wurde allerdings in fünf Ausschüssen von der Ratsmehrheit der Ampelkoalition abgelehnt.

Es wird schon viel getan – aber nicht genug

„Sicherlich ist es wunderbar, dass in Hannover neben städtischen und kirchlichen und anderen gemeinnützigen Einrichtungen auch viele Privatpersonen Obdachlosen mit Kleidung und warmen Speisen helfen“, sagt Hellmann. Ein nach Berliner Vorbild eingesetzter ‚Kältebus‘ fährt durch die Stadt, die ÜSTRA öffnet nachts ihre U-Bahn-Stationen und die Kirchen ihre Pforten, damit die Obdachlosen dort übernachten können. Für die schlecht erreichbaren Notschlafunterkünfte wurde sogar ein Bus-Shuttle eingesetzt, der inzwischen gut angenommen wird.

Viele Sozialarbeiter beklagen allerdings, dass die persönliche Bedürfnislage Obdachloser nicht ausreichend berücksichtigt werde. So brauche ein Obdachloser nicht nur mehr Sicherheit in den städtischen Unterkünften, sondern langfristig eine Einzelunterbringung, die Schutz und Obhut biete. Ebenfalls müsse es gestattet sein, Hunde mit in diese Unterkünfte zu bringen, da sich der Obdachlose im Zweifelsfall eher für seinen Hund als eine Nacht im Warmen entscheide. Auch der Umgang mit dem „Tom“ genannten Obdachlosen, der sich am Königinnendenkmal in der Eilenriede niedergelassen habe zeige, dass wir in Hannover bei dieser Thematik noch deutlich besser werden könnten, findet man bei der CDU.

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